Whitechapel Gazette — Sonderausgabe
London, 14. November 1888
Der Schatten der Gassen fordert erneut sein Blut.
Die Straßen von Whitechapel liegen in eisigem Schweigen, seit ein weiteres armes Weib im Morgengrauen entseelt aufgefunden ward. Man sagt, der Leib sei so zugerichtet gewesen, als hätte der Übeltäter selbst Freude an der Grausamkeit gefunden, ein Künstler des Verderbens, der mit kalter Hand das Fleisch formt.
Niemand kennt seinen Namen, doch das Volk hat ihm bereits einen gegeben: Jack the Ripper. Ein Gespenst in Menschengestalt, lautlos wie Nebel, grausam wie die Nacht selbst.
Die Metropolitan Police versichert, man sei dem Täter dicht auf den Fersen, doch die Menschen flüstern anderes. In den Tavernen, in den Werkstätten, bei Kerzenschein hinter verriegelten Türen: Er sieht uns. Er kennt uns. Er wählt. Während Scotland Yard noch rätselt, erlischt in den Armenvierteln jede Hoffnung. Kein Mann wagt, seine Frau hinauszulassen; keine Frau wagt, allein zu gehen, selbst die Laternen scheinen im Nebel zu ersticken.
So schreien die Gassen nach Gerechtigkeit, und dennoch schweigt die Stadt. Solange der Ripper im Schatten wandelt, gehört Whitechapel nicht den Lebenden, sondern den Toten.
Whitechapel, 2. Oktober 1888