LEGENDE DES ERSTEN JÄGERS

 „Als das Mondlicht rot brannte und die Menschheit vor Angst betete, erhob sich einer, dessen Glaube stärker war als jedes Biest.“

In den Chroniken der Kirche heißt es, dass der erste Primus Custos, dessen wahrer Name im Laufe der Jahrhunderte verloren ging, einst ein einfacher Templer war. Er diente der Kirche zu einer Zeit, als die Bestien zum ersten Mal in großer Zahl erschienen, ein Zeitalter, das man heute nur noch als „Die Nächte des Blutes“ kennt.
Die Dörfer brannten, das Land war verseucht von Lykanern, die unter dem silbernen Mond heulten, und Werwölfe rissen die Leiber der Menschen auf wie Pergament. Der Fluch verbreitere sich unkontrollierte durch den Biss der Werwölfe.  Die Kirche verlor Einfluss, die Menschen verloren den Glauben und aus der Dunkelheit wuchs die Verzweiflung.

Der Templer, den man später den Ersten Jäger nannte, sah, dass Stahl und Feuer allein nicht genügten. Also ging er einen Weg, den kein anderer zu gehen wagte: Er suchte das Wissen der alten Alchemisten, der Kräuterkundigen und der Ketzer, die einst für ihr Wissen verbrannt worden wären. Er lernte, dass die Schöpfung Gottes nicht nur aus Licht bestand, sondern auch aus Schatten und dass man die Dunkelheit verstehen musste, um sie zu vernichten. Doch um sie zu verstehen musste er sie kennen, sie studieren. In diesem Fall kam eine Lykanerin jung und mächtig und trächtig mit neuer Brut des Teufels. Der Templer fing sie und sperrte sie ein in einem tiefen, Lichtlosen Kerker tief unter einer Kirche. So lernte er nachdem er sie mehre Mondzyklus dort hielt das ein Leben ohne Mond ihr die Sinne Raubte, der wölf schwächer wurde.
Durch sie und ihre Reaktion lernte er was Wolfsblüter verletzte, was sie schwächte und was ihr Verstand fraß.  So mischte er geweihtes Silber mit dem Blut eines gefallenen Engels und Eisenhut mit geweihtem Wasser. Er erschuf die erste Silberweihe, eine Essenz, mit der er sein Schwert tränkte. Als er dieses neue Werkzeug der Läuterung erhob, heißt es, dass der Mond selbst sich blutrot färbte. In jener Nacht stellte er sich der ältesten Bestie: dem Vater aller Lykaner, Mate der gefangen Lykanerin und Vater der ungeboren, einem gewaltigen Geschöpf, halb Wolf, halb Mensch, mit Augen, die brannten wie die Hölle selbst. Drei Nächte und drei Tage kämpften sie, der Jäger gegen das Monster.

Als die Sonne des vierten Tages aufging, fanden die Dorfbewohner nur den zerschmetterten Körper des Templers und neben ihm den Kopf der Bestie, von Silber durchbohrt. Doch das Schwert des Jägers war geschmolzen, sein Körper von Eisenhut gezeichnet und dennoch lag auf seinem Gesicht ein Lächeln. Die Kirche sah darin ein Wunder.
Sein Leichnam wurde nach Rom gebracht, wo man ihn in einer goldenen Krypta bestattete. Über seinem Grab errichtete man die erste Kapelle des Ordens, und aus seinen Schülern wurde die Bruderschaft der Custodes, die Hüter. Sein Herz, so erzählt man, habe man nie gefunden. Man sagt, es wurde vom Licht selbst aufgenommen und wenn der Mond rot brennt, kann man in der Stille der Nacht noch immer das Flüstern seiner Worte hören:  „Für jedes Biest, das fällt, erhellt sich die Welt um einen Funken mehr.“ Von da an trugen alle Führer des Ordens den Titel Primus Custos, als Symbol und Schwur, das Vermächtnis des ersten Jägers fortzuführen, jene Flamme, die in der Dunkelheit brennt, jene Hand, die den Zorn Gottes führt.
Was mit der Lykanerin geschah fragt man sich? Sie kam frei, der Schmerz ihres mates wurde ihrer, seine Wut wurde ihre. Sie schaffte es die Wände des kerkers bersten zu lassen und sich hinauf in Freiheit zu graben.  Doch die Folter und der tot forderten ihren Tribut.  In der Nacht des 4 Tages starb sie, nachdem sie ihre Welpen gebar. Zwillinge, gemarkt mit dem Mal des Mondes.  Ein neuer Weg für die Wolfsmenschen, eine neue Generation.